Ben Bergner

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Kleine Namenskunde

Posted on 01 Okt 2013 in Uncategorized | 0 comments

Meine Lieblingskollegin ist schwanger! Es ist ihr erstes Kind. Alle Fragen nach „Junge oder Mädchen?“ blockt sie routiniert ab. Sie will sich überraschen lassen. Dabei ist sie so eine Art Rookie, was Kinder betrifft. Sie ist gerade einmal Tante geworden. Ich soll eigentlich Patenonkel werden, was ich mir angesichts drei eigener Kinder im Moment gerade so gar nicht vorstellen kann. Ben Jr. schwimmt drei Mal die Woche im Verein. Nuki Jr. reitet und der jüngere Ben Jr. fängt jetzt mit Karate an. Und das mit nicht mal ganz vier Jahren! Wo soll ich da noch Zeit für ein Patenkind hernehmen? Ich habe die Patenschaft zugesagt – wenn es ein Mädchen wird! Das geht dann irgendwie besser auf. Zwei Jungs, zwei Mädchen! Ich nehme meine Patenschaft natürlich sehr ernst. Ich fühle mich so verantwortlich als wäre es mein eigenes. Das eigentliche Problem ist aber nicht nur, dass ich theoretisch und praktisch keine Zeit habe, sondern der Name! Es soll Fee heißen. Ich stelle mir mein Patenkind irgendwie komisch vor! Mit rosa Haube und Zauberstab, inkl. Stern drauf. Bling, Bling! Also meine Lieblingskollegin arbeitet zwar beim Fernsehen, ist aber nicht direkt so ein Star, wird auch nicht in den Dschungel oder einen Container mit Z-Promis gesperrt. Sonst würde sie ihre Tochter wahrscheinlich Apple oder Harper nennen. Singen und schauspielern kann sie auch nicht. Aber Fee ist ja auch schlimm genug. Nuki meint, ich solle mich nicht so anstellen. Was sollen denn die Holländerinnen sagen? In Holland sind komische Namen an der Tagesordnung. Es sind eigentlich auch gar keine richtigen Namen, sondern wirr zusammengesetzte Buchstabenkombinationen, die je nach Vorwand des Namensgebers angeblich angloamerikanische, deutsche, griechische, lateinische, romanische oder skandinavische Wurzeln haben. Wer das unseren holländischen Nachbarn abnimmt, der glaubt auch, dass Holland irgendwann mal Fußball-Weltmeister wird, was natürlich genauso wenig jemals geschieht. Wichtig in den Niederlanden ist es, Namen zu verniedlichen. Ist ein Name langweilig und öde, hängt der Holländer gern einfach ein –je dran und hat sofort einen ganz lustigen Namen mit vielleicht gar mehreren Bedeutungen wie zum Beispiel Doortje, die holländische Variante von Dorothea. In Deutschland würde man die Arme dann Dorotheachen rufen, in England Türchen. Holländer finden das lustig, aber die lachen ja auch echt über fast alles, am liebsten über sich selbst. Hier eine kleine Auswahl der schlimmsten Auswüche an Namen in den Niederlanden:

A wie Antje. So heißt in Holland wirklich niemand, außer der Werbe-Ikone, die seit jetzt schon mehr als einem halben Jahrhundert den Deutschen holländischen Käse andreht.

B wie Bram. Stammt eigentlich von Abraham, dem Stammvater Israels ab. Seit Vader Abraham und den Schlümpfen, noch so einem tollen Exportschlager der Niederlande, nennen aber noch nicht mal die lustigen Holländer ihre Kinder Abraham, sondern nur der Kurzform nach Bram.

C wie Corrie. Holländische Koseform von Cornelia abgeleitet. Als ob man einen Namen wie Cornelia verniedlichen könnte!

D wie Dirkje. Ist wirklich der Ernst holländischer Namensgebung und die verniedlicht die weibliche Erweiterung von Dirk. Die armen Holländerinnen!

E wie Ewoud. Alter deutscher zweigliedriger Name, geformt aus zwei Heiligen im Mittelalter, die heute aber keiner mehr kennt. So ein Pech!

F wie Femmechina. Hört sich an wie Feinmechaniker. Da die Holländer aber nicht nur verkürzen, sondern auch Namen einfach mal willkürlich kombinieren, kommt ‚so‘ etwas dabei heraus. Femme wie Frau auf Französisch und China wie das ganz schön große Land im Osten, das immer mehr amerikanische und europäische Staatsanleihen kauft, weswegen wir bald alle chinesische Namen tragen werden. Immer noch besser als wenn wir in Deutschland unsere Kinder durch die Bank holländische Namen verpassen müssten!

G wie Guilielmus. Können Deutsche nicht aussprechen, ist aber lustigerweise angeblich ein alter, deutscher zweigliedriger Name aus dem Mittelalter und noch viel angeblicher in ganz Europa total beliebt gewesen. Fragt sich nur welche zwei Namen das gewesen sein sollen?

H wie Hanneke. Hört sich wie ein Fruchtsaft!

I wie Idioot. So heißt in Holland natürlich niemand. Aber Nuki nennt mich jetzt so, weil sie hinter mir steht und meint, ich müsste immer so übertreiben, denn in Wirklichkeit würden in ihrer Heimat gar nicht so viele Menschen so heißen. Was natürlich auch stimmt, ich schreibe aus einem uralten holländischen Namensbuch ab.

J wie Joke. Da haben die Holländer ein R vergessen, sonst wäre man wenigstens der Gegenspieler von Batman.

K wie Klaas. Seit dem Mittelalter verselbständigte Miniform von Nikolaus. Holländer sind gnadenlos und verkürzen sogar Heilige. Grundsätzlich sprechen unsere Nachbarn nur selten den vollen Vornamen aus. So wird zum Beispiel aus Sonja Son, oder aus Stefan Stef.

L wie Leentje. Das –je macht den Beinamen von Maria Magdalena, in der Bibel eine der treuesten Jüngerinnen Jesus Christus, auch nicht attraktiver.

M wie Marjolein. Angeblich wurde der Name in Holland an das Gewürz Majoran angelehnt. Klingt zumindest besser als Pfefferlein oder Oregalein!

N wie Neeltje. Diese Anrede ist eine Besonderheit der holländischen Namensgebung. Ist nämlich auch eine Abkürzung von Cornelia, genau wie Corrie! Das soll einer kapieren!

O wie Okke. Ist kein richtiger holländischer Name, sondern ein friesischer, aber mit dem Buchstaben O wird es schwierig, denn es gibt quasi keine Namen, die in den Niederlanden mit O beginnen – nicht mal wirre Buchstabenphantasien, die keinen Sinn ergeben.

P wie Piet. Quasi jeder Holländer hat in der Verwandtschaft einen Piet. Extrem populärer Name in den Niederlanden.

Q wie denken sie sich doch selbst einen aus. Mein schlaues Namensbuch kennt nur sechs Namen mit Q. Bei allen sind die ersten vier Buchstaben gleich. Q U I N … Und dann? Lassen sie einfach mal ihre Phantasie spielen. Machen die Holländer doch auch! *

R wie Remco. Mein absoluter Lieblingsname in den Niederlanden. Hört sich für mich irgendwie absolut männlich, markant und durchdringend an.

S wie Sem. Im Jahr 2010 der beliebteste holländische Name für Jungs.

T wie Talena. Soll der Kosenamen von Adelheid sein. Wie soll man denn das bitte schön von diesem Namen ableiten. Die spinnen, die Holländer!

U wie Ursul. Männliche Ableitung von Ursula. Hört sich an als ob die eigenen Eltern lieber ein Mädchen haben wollten und weil letztlich ein Junge geboren wurde, haben sich Mam en Pap spontan an dem Stammhalter gerächt.

V wie Veerle. Ist flämisch. Kommt aus Belgien. Belgier werden in Holland immer verarscht, sind die Ostfriesen der Niederlande. Veerle wird es in Holland also nicht leicht haben. Ach ja! Ist theoretisch weiblich, praktisch auch!

W wie Willem. Genauso beliebt wie Piet. Hat auch jeder einen davon in der Verwandtschaft.

X wie Xander. Ist in Holland die Abkürzung von Alexander. Namen verkürzen hat in den Niederlanden auch irgendetwas mit Faulheit zu tun.

Y wie Ype. Die Herkunft dieses Namens ist unbekannt, ist vielleicht auch besser. Holländerinnen heißen trotzdem so.

Z wie Zwaantje. Abgeleitet von ‚Schwan‘. Jetzt müssen auch noch Tiere für die holländische Namensfindung herhalten. War Gott sei Dank der letzte Buchstabe.

 

Ich glaube, ich überlege mir das mit der Patenschaft noch einmal. Ich werde sie wohl doch übernehmen. Wenn ich die holländischen Namen alle so höre, ist Fee doch gar nicht so schlecht.

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*Für alle ohne Fantasie: Quincy, Quint, Quinta, Quniten Quintus, Quinty

 

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